Reisegeschichte · Kalabrien

Scilla: Zwischen Abendlicht und Strömung

In Chianalea reicht das Meer bis an die Häuser. Vor der Küste lebt eine jahrtausendealte Fischereitradition fort – und unter Wasser zeigt Scilla eine ganz eigene, bewegte Seite.

Am Abend legt sich warmes Licht über Scilla. Vom Ufer reicht der Blick über die Straße von Messina; bei klarer Sicht zeichnen sich am Horizont die Äolischen Inseln ab. Die Küste trägt den Namen Costa Viola. Im letzten Abendlicht wird Scilla zu einem Ort, an dem sich ein längerer Halt lohnt: Der Blick über Wasser und Küste verändert sich mit dem Licht. Doch Scilla ist mehr als ein schöner Ausblick. Das Meer, das im Abendlicht beinahe ruhig erscheint, prägt hier seit Jahrhunderten Arbeit und Alltag.

Chianalea am Wasser, mit Blick über und unter die Meeresoberfläche

In Chianalea, dem alten Fischerviertel, liegen die Häuser direkt am Wasser. Darüber erhebt sich das Castello Ruffo auf dem Felsen. Wer durch die engen Gassen geht, bewegt sich an einem Ort entlang, dessen Geschichte eng mit dem Meer verbunden ist – und besonders mit dem Schwertfischfang.

Der griechische Geschichtsschreiber Polybios beschrieb bereits im zweiten Jahrhundert vor Christus die Schwertfischjagd am Felsen von Scilla. In der Straße von Messina wird sie bis heute betrieben. Die lange Geschichte bedeutet allerdings nicht, dass sich nichts verändert hätte: Die Tradition und das Wissen um den Fang leben fort, während Boote und Ausrüstung moderner geworden sind.

Auch unter Wasser wird deutlich, dass die Meerenge kein stiller Durchgang ist. Sie verbindet das Tyrrhenische mit dem Ionischen Meer. Durch die Gezeiten wechseln die Strömungen regelmäßig ihre Richtung; zugleich wird Wasser bewegt und durchmischt. Das trägt zur besonderen Produktivität dieses Meeresgebiets bei.

Schon ein kleines Stück außerhalb der Bucht spüre ich die Strömung mit voller Kraft. So etwas habe ich selten erlebt. Und die rechte Seite der Bucht ist für mich mehr als einen Tauchgang wert.

Wer hier auf eigene Faust vom Strand aus tauchen möchte, sollte vor dem Einstieg unbedingt die Strömungslage mit einer geeigneten App prüfen. Den Namen der App habe ich nicht mehr auf dem Handy; vor Ort kann man bei Einheimischen oder Tauchkundigen danach fragen – ebenso nach den aktuellen Bedingungen.

So zeigt Scilla zwei Seiten desselben Meeres: Im Abendlicht lädt die Küste zum Verweilen ein; unter der Oberfläche spüre ich seine Kraft unmittelbar. Zwischen den Häusern von Chianalea, der alten Fischereitradition und der wechselnden Strömung wird klar, warum das Meer hier nicht bloß Kulisse ist. Es ist Teil der Geschichte des Ortes – und bis heute eine Kraft, mit der man rechnen muss.

Quellen und Hintergründe

Wir bleiben draußen.

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