Fotografisches Handwerk · Unterwasser

Licht unter Wasser: natürlich fotografieren

Unter Wasser fotografierst du mit natürlichem Licht am besten nah am Motiv, in flachem, hellem Wasser und mit Blick auf den Sonnenstand. Wasser nimmt dem Licht zuerst die warmen Farben, dann Helligkeit und Kontrast. Entscheidend für gute Bilder sind deshalb vor allem zwei Dinge: Perspektive und Weißabgleich.

Von Werner Giove, Freediving- und Foto-Experte · Stand: Oktober 2026

Freitaucher als Silhouette in einer Felsspalte vor den Azoren, Licht fällt von oben ins Wasser
Azoren, nur mit natürlichem Licht: Im Gegenlicht wird der Freitaucher zur Silhouette.

Warum verändert Wasser die Farben?

Wasser absorbiert Licht – und nicht alle Farben gleich stark. Rote, orange und gelbe Anteile werden schneller herausgefiltert als blaues Licht. Die US-Meeresbehörde NOAA beschreibt diesen wellenlängenabhängigen Farbverlust in ihrem Factsheet zu Licht und Farbe im Meer.

„Die Farben sind immer in den gleichen Tiefen weg: Rot verschwindet ab etwa fünf Metern Tiefe – und auch mit der Weite. Am Ende bleibt Blau. Viel spannender sind die Perspektive und der Weißabgleich.“

— Werner Giove

Dabei zählt nicht nur die Tiefe, sondern auch die Strecke zwischen Kamera und Motiv: Auch dieses Wasser filtert und streut Licht. Je weiter das Motiv entfernt ist, desto blauer, flauer und unschärfer wirkt es. Schwebeteilchen wie Plankton streuen das Licht zusätzlich und machen den Hintergrund milchig. Nähe ist unter Wasser deshalb nicht nur Bildgestaltung, sondern die wirksamste Hilfe für Farbe und Kontrast.

Warum ist die Perspektive so wichtig?

Weil du mit dem Blickwinkel bestimmst, woher das Licht kommt und was hinter deinem Motiv liegt. Unter Wasser kommt das natürliche Licht fast immer von oben. Daraus ergeben sich drei Grundrichtungen:

Qualle knapp unter der Wasseroberfläche, ihr Schirm wird vom Sonnenlicht beleuchtet
Knapp unter der Oberfläche: Das Sonnenlicht modelliert den Schirm der Qualle, die Wellen werden zum Hintergrund.

Ändere den Winkel in kleinen Schritten und prüfe nach jeder Änderung das Display. Steht die Sonne hinter dir, bekommst du gleichmäßige Farben; fotografierst du gegen die Sonne, entstehen Silhouetten und Lichtstrahlen. Beides ist richtig – entscheide vorher, welche Wirkung du willst.

Wie stellst du den Weißabgleich ein?

Der automatische Weißabgleich ist ein Startpunkt, kommt unter Wasser aber schnell an seine Grenzen, weil sich das Licht mit Tiefe, Blickrichtung und Abstand verändert. Bietet deine Kamera einen manuellen Weißabgleich, miss ihn in der Tiefe und Richtung, in der du fotografierst: Kamera auf eine neutrale, helle Fläche richten und der Anleitung deines Modells folgen. Ändern sich die Bedingungen deutlich, misst du neu.

Freitauchende Person vor einer Felswand, das Wasser wirkt türkis-grün
Wärmerer Weißabgleich: Das Wasser wird türkis, der Fels zeigt mehr Struktur.
Dieselbe Szene mit kühlerem Weißabgleich, das Wasser wirkt tiefblau
Kühlerer Weißabgleich: dieselbe Szene, tiefblau und kontrastreicher.

Der Vergleich zeigt: Der Weißabgleich entscheidet über die Stimmung eines Unterwasserbildes mindestens so sehr wie die Belichtung. Fotografierst du in RAW, kannst du ihn später flexibel anpassen. Er holt aber keine Farben zurück, für die am Motiv kein Licht mehr vorhanden war – Rot in zehn Metern Tiefe bleibt verloren. Bei JPEGs und Videos lohnt es sich deshalb besonders, den Weißabgleich schon beim Fotografieren möglichst passend einzustellen.

Kamera oder Handy im Gehäuse: Was ist anders?

Die Grundregeln bleiben gleich: nah ans Motiv, Licht bewusst nutzen, Bildausschnitt kontrollieren. Eine Kamera bietet meist mehr direkte Kontrolle über Belichtung, Fokus und Weißabgleich. Ein Smartphone ist für Einsteiger ein unkomplizierter Start, sofern Gehäuse und Bedienung zum Gerät passen. Prüfe vor dem Wassereinsatz die Dichtigkeit des Gehäuses nach Herstelleranleitung und stelle die wichtigsten Einstellungen schon an Land ein – unter Wasser ist ein Touchscreen oft schwer zu bedienen.

Weiterlernen

In unserer Online-Einführung Unterwasserfotografie stellst du deine Kamera oder dein Handy im Gehäuse gemeinsam mit uns ein – live, mit viel Zeit für deine Fragen. Wie du aus Unterwasserbildern am Rechner das Beste herausholst, zeigen wir im Onlinekurs Bildbearbeitung von Unterwasserbildern. Und wer selbst mit einem Atemzug abtauchen möchte, findet den Einstieg im Beitrag Freitauchen lernen.

Quellen

Wir bleiben draußen – auch unter Wasser.

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