Reisegeschichte · Patagonien

Die Karte von Última Esperanza

Eine Rundreise von Punta Arenas nach Santiago und die Geschichte der deutschen Siedler, die in den 1890er-Jahren die Schafwirtschaft in Última Esperanza ausbauten.

Lago Pehoé vor den Cuernos del Paine
Lago Pehoé und die Cuernos del Paine.[2]

Meine Rundreise begann in Punta Arenas. Von dort führte sie mich zum Torres-del-Paine-Nationalpark, weiter nach Fort Bulnes und schließlich nach Santiago de Chile. Am Lago Pehoé erheben sich die Cuernos del Paine vor dem See.[2] Gletscher formten die Berge. 1959 wurde das Gebiet zum Nationalpark, 1978 erklärte die UNESCO es zum Biosphärenreservat.[1]

In Fort Bulnes fotografierte ich ein Holzhaus hinter einer Palisade und Treibholz am felsigen Ufer. Das Haus gehört zur rekonstruierten Anlage, die 1943/44 wiederaufgebaut wurde. Es ist kein erhaltenes Gebäude aus der Zeit des ursprünglichen Forts von 1843.[9]

Chile hatte das Fort errichtet, um seine Souveränität an der Magellanstraße zu sichern.[3][9] Der Standort eignete sich kaum für Landwirtschaft. 1848 wurde die Kolonie nach Punta Arenas verlegt.[9] Punta Arenas wurde zum neuen Siedlungszentrum und war Jahrzehnte später der Ausgangspunkt meiner Reise.[3][9]

Holzhaus hinter der Palisade von Fort Bulnes
Holzhaus und Palisade in der rekonstruierten Anlage von Fort Bulnes.[9]
Treibholz am felsigen Ufer bei Fort Bulnes
Treibholz am felsigen Ufer bei Fort Bulnes.

Fast fünfzig Jahre nach der Gründung von Fort Bulnes brach von Punta Arenas aus eine Expedition nach Última Esperanza auf. Am 12. Juni 1892 verließ das Dampfschiff „África“ die Stadt. An Bord waren Hermann Eberhard, ein deutscher Kapitän, und Augustus Kark.[13] Sie suchten im Gebiet der heutigen Última Esperanza nach Land für Schafe und Rinder.[13]

Im Oktober 1893 erhielt Eberhard eine vorläufige Erlaubnis zur Landnutzung.[13] Ab 1894 ließ er sich dort als Estanciero nieder.[12][13] In den 1890er-Jahren kamen weitere deutsche und englische Siedler hinzu. Sie gründeten Schaf-Estancias, trieben den Ausbau der Weidewirtschaft voran und pachteten das Land zunächst für jeweils fünfzehn Jahre vom Staat.[8]

Eberhard zeichnete 1895 eine Karte der Gegend. Darauf sind Küsten, Flüsse und Wege eingezeichnet, ebenso eine Höhle, die heute mit der Cueva del Milodón verbunden wird.[12] Indigene Bewohner sind auf der Karte nicht verzeichnet.[12]

Die Aónikenk lebten in der Steppe und jagten unter anderem Guanacos und Ñandúes. Ein historisches Bild aus dem Jahr 1884 zeigt Aónikenk, die in Punta Arenas Häute verkauften.[10][11] Ein Tierporträt aus meiner Serie zeigt wahrscheinlich ein Guanako. Der genaue Aufnahmeort lässt sich nicht bestimmen.

Wahrscheinlich ein Guanako im Porträt
Ein Guanako, wahrscheinlich. Der genaue Aufnahmeort ist nicht bekannt.

An den Küsten und in den Kanälen lebten die Kawésqar in einer vom Meer geprägten Lebenswelt.[4][10] Die Ansiedlungen bei Fort Bulnes und Punta Arenas schränkten ihre Bewegungsfreiheit ein und zwangen sie, Teile ihres Territoriums aufzugeben.[4][5][10]

Die Schafwirtschaft in Magallanes begann bereits 1876. Damals wurde eine erste Herde von den Falklandinseln auf die Isla Isabel gebracht.[7] In Última Esperanza bauten die deutschen und englischen Siedler diese Wirtschaft weiter aus.[8] „Das Land bestellen“ bedeutete dort vor allem, Weideflächen für Schafe zu nutzen, nicht großflächig Ackerbau zu betreiben.[7][8]

1905 und 1906 kaufte die Sociedad Explotadora de Tierra del Fuego große Teile der Ländereien. 1910 besaß oder pachtete sie rund drei Millionen Hektar, fast drei Viertel des Weidelands von Magallanes.[8] Als Puerto Natales 1911 gegründet wurde, kamen viele Einwanderer aus Chiloé in die Region. Sie arbeiteten auf den Estancias und in den Betrieben der Umgebung.[8]

Zwei Magellan-Pinguine auf kargem Boden
Zwei Magellan-Pinguine.[6] Der genaue Aufnahmeort ist nicht bekannt.
Schneebedeckter Kegelberg unter Sternen
Ein schneebedeckter Kegel im Sternenlicht. Welcher Berg es ist, bleibt offen.
Schmaler Wasserfall an einem dicht bewachsenen Hang
Der Wasserfall dürfte „La Cascada“ bei Las Cascadas am Fuß des Osorno-Vulkans sein. Den genauen Aufnahmepunkt kann ich nicht bestätigen.[14]

Die Fotos halten die Landschaft fest; die Quellen dokumentieren, wie die Schafwirtschaft das Land nutzte.[8] Die Ansiedlungen veränderten auch die Lebensräume der Aónikenk und Kawésqar.[4][5][10]

Quellen und Hintergründe

  1. CONAF – Parque Nacional Torres del Paine
  2. Chile Travel – From Santiago to Patagonia: What to Do in Chile for 12 Days
  3. Consejo de Monumentos Nacionales – Fuerte Bulnes
  4. Subdirección Nacional de Pueblos Originarios – Lengua kawésqar
  5. Subdirección Nacional de Pueblos Originarios – Ruta pedagógica Kawésqar
  6. SERNAPESCA – Pingüino de Magallanes
  7. Memoria Chilena – La economía ovejera en Magallanes (1876–1930)
  8. Memoria Chilena – Última Esperanza
  9. Memoria Chilena – El fuerte Bulnes
  10. Memoria Chilena – Pueblos australes de Chile
  11. Memoria Chilena – Aónikenk
  12. Magallania – Nuevos antecedentes del mapa de Última Esperanza producido por Hermann Eberhard, 1895 (2021)
  13. Revista Historia y Patrimonio – Constancia-solicitud de exploración y ocupación de campos en Última Esperanza, 1892 (2025)
  14. Los Lagos Travel – Guía turística: Las Cascadas, Osorno (PDF)
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