Kreative Naturfotografie: vertraute Motive neu sehen
Rezension · Botzek, Brehe, Hüttche, Scheffel, Vogel, Westermann, „Kreative Naturfotografie“, dpunkt.verlag, 1. Auflage 2025
Werbung · Rezensionsexemplar: Der dpunkt.verlag hat uns dieses Buch kostenlos zur Verfügung gestellt. Auf unsere Einschätzung hatte der Verlag keinen Einfluss.
Foto: Werner Giove · Fotowalk bei Trebur
Sechs Naturfotografinnen zeigen in Kreative Naturfotografie, wie sich vertraute Motive durch bewusstes Beobachten, Licht und ungewöhnliche Perspektiven neu sehen lassen. Das Buch richtet sich an Naturfotografinnen, die über die reine Dokumentation hinaus Bildideen entwickeln möchten; es bietet dafür zahlreiche konkrete Beispiele und technische Ansätze.
Worum es geht
Der Band versammelt Beiträge von Markus Botzek, Frank Brehe, Silke Hüttche, Thomas Scheffel, Sebastian Vogel und Sandra Westermann. Statt eine einzige Methode zu lehren, führt er durch unterschiedliche Herangehensweisen: vom Motiv am Wegesrand und der Makrofotografie über Wasser, Moor, Wald und weites Land bis zum Meer und in den Stadtraum. Der rote Faden ist der kreative Prozess – vom Entdecken eines Motivs bis zur Entscheidung für Perspektive, Licht und Gestaltung.
Die Beispiele machen deutlich, dass eine Bildidee nicht immer nach Plan entsteht. Ein Kapitel erzählt etwa, wie aus zunächst enttäuschenden Bedingungen am Bach eine Doppelbelichtung mit Buschwindröschen und Wasser wurde. Ein anderes beschreibt, wie wiederholte Besuche am selben Ort neue Varianten eines Motivs ermöglichten. Das ist eine hilfreiche Erinnerung: Nicht nur das seltene Motiv zählt; auch Aufmerksamkeit, Zeit und die Bereitschaft, eine Idee weiterzuentwickeln, prägen das Bild.
Was das Buch besonders macht
Die große Stärke liegt in der Vielfalt der Bildlösungen. Die Autor*innen arbeiten mit Details und Strukturen, Gegenlicht, gezielter Unschärfe, Langzeit- und Mehrfachbelichtung sowie Perspektivwechseln. Die technischen Angaben und die Erklärungen zu den Entscheidungen vor Ort machen viele Beispiele nachvollziehbar. Dabei wird Gestaltung nicht auf Kameraeinstellungen reduziert: Bildausschnitt, Hintergrund, Licht und der eigene Blick greifen ineinander.
Besonders gut passt der Blick auf die Serie. Ein Exkurs widmet sich dem Erzählen mit mehreren Bildern; ein weiteres Beispiel verfolgt, wie eine erste Idee über Varianten zu einem Ergebnis weiterentwickelt wird. Das entspricht auch unserer Stilloutside-Haltung: draußen bleiben, Licht und Motiv beobachten und nicht vorschnell beim ersten Bild aufhören.
Erfreulich ist außerdem, dass achtsames Verhalten nicht als Nebensache behandelt wird. Ein eigener Exkurs thematisiert Störungen und Stress für Tiere sowie Rücksichtnahme beim Fotografieren. Damit setzt das Buch einen wichtigen Gegenpol zu einer rein bildästhetischen Sicht: Ein Motiv ist nicht wichtiger als der Lebensraum, in dem es vorkommt.
Foto: Werner Giove · Fotowalk bei Trebur
Kritisch betrachtet
Die Breite des Buches ist zugleich seine Grenze. Mit sechs Autor*innen, sieben Themenbereichen und vielen Einzelbeispielen gleicht der Band eher einer reich bebilderten Sammlung persönlicher Ansätze als einem systematischen Lehrgang. Wer einen konsequent aufgebauten Lernpfad mit Übungen, einheitlicher Begrifflichkeit oder einer Methode für ein einzelnes Genre sucht, muss sich die passenden Anregungen selbst zusammenstellen. Das ist keine Schwäche der einzelnen Beiträge, aber eine Erwartung, die man vor dem Kauf einordnen sollte.
Auch die Bandbreite der technischen Mittel ist nicht für jede Situation unmittelbar übertragbar: Es kommen unter anderem Makro- und Spezialobjektive, Filter, Zwischenringe, Telekonverter und kamerainterne Mehrfachbelichtungen vor. Die zugrunde liegenden Fragen – Wo steht das Licht? Welche Form trägt das Bild? Was verändert ein anderer Standpunkt? – lassen sich jedoch auch ohne jede Spezialausrüstung mitnehmen.
Fazit
Kreative Naturfotografie ist ein anregender Bildband für alle, die in der Natur bewusster gestalten und ihre eigene Bildsprache erweitern möchten. Seine Stärke ist nicht ein einziges Rezept, sondern die Vielzahl konkreter Denkwege: genau hinsehen, Varianten probieren, technische Möglichkeiten gezielt einsetzen und den Lebensraum respektieren. Am meisten Gewinn verspricht die Lektüre, wenn man die Beispiele nicht als Vorlagen zum Nachstellen liest, sondern als Anlass, vor der eigenen Haustür genauer hinzuschauen.
Zum Buch beim Verlag (dpunkt.verlag) →
Markus Botzek, Frank Brehe, Silke Hüttche, Thomas Scheffel, Sebastian Vogel, Sandra Westermann, „Kreative Naturfotografie – Naturmotive künstlerisch gestalten und stimmungsvoll fotografieren“. dpunkt.verlag, 1. Auflage 2025. ISBN 978-3-98889-032-0.
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Still outside. – Noch immer draußen.